Gestern, 06.08.
Um Mitternacht ins Bett, in der Nacht 3 mal aufgewacht und auf den Wecker geguckt. Vor dem Klingeln um 6 Uhr aufgestanden, geduscht und angezogen. Die restlichen Sachen in Tasche und Rucksack gepackt – und dann war noch so viel Zeit und so schönes Wetter, dass ich nochmal an den See gegangen bin. Noch einmal den Blick, den Geruch, die Geräusche der Tiere, des Wassers und der Natur genießen und tief in mich aufnehmen, auf dass ich die Magie dieses Ortes nicht vergesse.
Zum letzten Frühstück an den großen Tisch zusammen mit lieben Menschen (und Gustav, dem wunderbaren Assistenzhund von A.). Ich kann nicht wirklich essen, nehme mir Brötchen und Eier lieber mit.
Viele herzliche Umarmungen zum Abschied, von und zu allen Seiten gute Wünsche, ich bin sehr be- und gerührt. Wie viele mich hier gesehen haben außerhalb von meinen Gruppen, es war mir nicht wirklich bewußt. Ich möchte sie alle mitnehmen, nicht los lassen müssen, da bleiben.
Die letzte große Umarmung mit B., die erst morgen nach Hause fährt. „Ich hab dich lieb“ sagen und es so meinen. Ich, die am Anfang so vehement betonte, dass sie hier keine Freundschaften schließen will. „Ich dich auch“ hören und wissen, dass es so gemeint ist.
Danke, ihr „ollen Schachteln“, es war großartig mit uns. Wir sehen uns wieder.
Noch kurz ins Stationszimmer, dann zum Abschlußgespräch mit Frau A., meiner wunderbaren Therapeutin auf Zeit. Eigentlich gibt es nicht mehr viel zu sagen, weil ich sie gestern im Kurzgespräch schon überrollt habe mit allem, was während ihrer Urlaubswoche passiert ist. Aber ihre Abschiedsworte und die Umarmung nehme ich von Herzen gerne mit.
Weil ich noch Zeit habe, gehe ich für einen letzten Kaffee in den Speiseraum – und werde auf dem Weg von B. eingeholt, die dann mit mir am Tisch sitzt und einen Tee trinkt, bis ich los muss.
Ich hole mein Fahrrad, lade mein Gepäck auf und gehe in Ruhe zum Bahnhof. Das ist jetzt wirklich der Abschied. Acht lange Wochen war das mein Zuhause, mein geschützter Ort, meine kleine große Welt. Ich habe gelernt und geübt, geweint und viel gelacht, hart gearbeitet, einiges verändert, mich geöffnet und gezeigt, wurde und habe gesehen und gefühlt. Es war gut.
***
Im „echten“ Zuhause werde ich schon auf der Treppe draußen von dem Nachbarn begrüßt, der meinen Schlüssel hat und für mich einkaufen war, so dass ich in den ersten zwei Tagen versorgt bin und noch nicht raus muss.
Erste Handlungen: alle Fenster und die Balkontür auf machen. Kaffee kochen (8 Wochen altes, bereits gemahlenes Kaffeepulver schmeckt übrigens richtig mies. Ganze Bohnen, die diese Zeit im Kühlschrank verbringen durften, sind aber okay), die Taschen leeren, eine Waschmaschine füllen. Die Zimmer abgehen und versuchen, mich wieder heimisch zu fühlen. Es ist vertraut, aber dennoch irgendwie fremd. Acht Wochen sind eine lange Zeit und ich fühle mich wie in einer Zwischenwelt: schon weg, aber noch nicht da.
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Heute, 07.08.
Ausschlafen! Also bis kurz nach sieben jedenfalls, aber nach dem Blick auf die Uhr hab ich mich zufrieden umgedreht und immerhin bis halb zehn geschlafen. Das ist eine gute Zeit, in den Tag zu starten, auch für die Zukunft.
Frühstück, eigener Kaffee, offene Balkontür, Soziales Medium mal wieder zeitnah. Langsam wieder an die Geräusche von draußen gewöhnen, möglichst ohne mich zu ärgern. Ich will und muss hier noch eine ganze Zeit leben, ich muss das können.
Nachwirkung der letzten, bereits auf den Abschied ausgerichteten Tage zeigen sich: ich bin unendlich müde, lege mich nach einigen Stunden wieder hin, schlafe tief und fest. Das wird noch ein bißchen dauern, bis ich wirklich wieder hier bin. Aber ich muss ja noch nichts.
Es ist gut.

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