Eigentlich würde ich am kommenden Mittwoch, also in 3 Tagen, nach Hause fahren, denn dann sind sechs Wochen vorbei. Aber das wäre, als ob ich bei einer Serie die letzten beiden Episoden nicht mehr sehen könnte und nicht wüßte, ob es gut ausgeht oder nicht. Also hab ich das Angebot angenommen und die Zeit in der Klinik um zwei Wochen verlängert. Ich muss wissen, wie die Geschichte endet.
Und außerdem muss ich noch eine Fahrt mit dem Schiff auf dem Kellersee machen!
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DBT und die Ess-Therapie sind in den Themen auf sechs Wochen ausgerichtet, da hab ich die Runde jeweils fast vollendet und fange durch die Verlängerung quasi wieder von vorne an. Ich finde es allerdings richtig gut, weil ich so die ersten Einheiten nochmal unter neuem Blickwinkel und mit dem bis jetzt Erlernten im Hintergrund anschauen kann. Vor allem in der DBT, weil es da dann wieder um die Emotionen geht. Mit Hilfe der anderen Module kann ich jetzt vielleicht, hoffentlich, wirklich neue Methoden finden, mit meinen negativen Gefühlen umzugehen.
Die Körperpsychotherapie geht vermutlich einfach so weiter, aber weil mittlerweile drei Menschen aus unserer ADK-Gruppe abgereist sind, kommen jetzt drei Neue dazu und mit Sicherheit wird das die Gruppe sehr verändern. Eine war am Donnerstag schon da, das passt ganz gut. Die beiden anderen sind Männer und ich kann nur hoffen, dass die Therapeutin das gut im Griff hat bzw. dass die beiden vernünftig mitmachen.
In der DBT-Gruppe sind sowieso immer mindestens 10 Leute, da fällt ein Wechsel nicht so sehr auf und es geht hier ja auch nicht um die Einzelne und ihre Probleme (außer als Beispiel), sondern darum, die Methodik zu lernen.
Es bleibt und wird spannend – und weiterhin anstrengend. Ich muss sehr aufpassen, dass ich nicht zu viel noch verstehen, klären, arbeiten will bis dahin. Die zwei Wochen gehen am Ende schnell vorbei, alles schaff ich sowieso nicht und ich will nicht total ausgepowert zuhause ankommen. Die ersten wichtigen Schritte und Wege hab ich aber auf jeden Fall gefunden.
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So ganz nebenbei ist auch noch etwas anderes passiert. Es gibt hier Menschen (nicht nur aus meinen Gruppen), zu denen ich guten Kontakt gefunden habe und die mich sehen, mögen und nehmen, wie ich bin. Ich habe mein Herz für sie geöffnet, obwohl ich es ursprünglich ja gar nicht wollte, um nicht später den Abschiedsschmerz aushalten zu müssen.
Hier ist es natürlich einfach, ins Gespräch zu kommen, weil wir eh am gleichen Ort sind und bereits eine Gemeinsamkeit haben: wir alle sind hier, weil es einen schwerwiegenden Grund gibt. Aus einem freundlichen „Moin“ wird dann irgendwann ein „hab einen guten Tag“, ein „wie geht es dir“, vielleicht sogar ein „wollen wir noch einen Kaffee zusammen trinken?“
Oder Einer setzt sich einfach zu mir auf die Bank am See, weil er findet, dass ich traurig aussehe und dann sitzt man da eben eine Stunde oder mehr und ab da dann auch öfter mal beim Essen am gleichen Tisch. (Gruß an J. an dieser Stelle! ;-))
Mit anderen war ich neulich im Freizeit-Bastelraum im Keller. Eine strickte, ein paar malten, zwei flochten Körbe, einer feilte an einem Stein. Wir unterhielten uns in Ruhe, lachten, werkelten vor uns hin – es war total gemütlich und herzlich.
(Übrigens hab ich meine ersten beiden Acrylbilder gemalt! Sie sind unperfekt und bei dem zweiten ist der Rand doof geworden, aber ich mag sie sehr.)
Ich stelle fest, dass ich mich doch sehr nach anderen Menschen, nach Freund:innen sehne und dass ich das in Hamburg sehr vermisse. Ich ahne, dass das schwierig wird, wenn ich wieder alleine zuhause bin.
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Aber erstmal werde ich die zusätzlichen zwei Wochen nutzen. Ich arbeite, lerne, entdecke immer wieder Neues, ich lache und weine und packe die letzte Kiste Stück für Stück aus. Es ist gut. Ich bin dankbar, dass ich hier den Ort dafür habe.

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