28-01-2025 Hochsensibel

Ich wache morgens mittags auf und der erste klare Gedanke ist: ich hab den Platz in der Klinik. Aber bis diese Tatsache in mir angekommen ist und nicht jedesmal wieder ein kurzes Stolpern im Herzen auslöst, braucht es vermutlich noch etwas Zeit.

Angekommen ist aber das: es ist das erste Mal für mich, dass ich die Hochsensibilität gegenüber einer „offiziellen“ Stelle angesprochen habe und damit anscheinend ernst genommen werde. Bisher hab ich es immer nur ganz leise und vorsichtig erwähnt und kam mir jedes Mal vor wie Eine, die sich anstellt, die eine Ausrede sucht für wiedermal irgendwas, was sie nicht kann. Als wäre es nur eine Marotte, die ich mit ein bißchen gutem Willen schon in den Griff bekäme. Die Blicke, die ich normalerweise ernte, wenn ich es anspreche, drücken genau das aus.
Ich hoffe sehr, dass, je mehr Akzeptanz und Verstehen gegenüber Neurodiversitäten wie ADHS und Autismus in der Gesellschaft entsteht, auch die HS mit dabei ist. Immerhin gelten inzwischen 15% bis 20% der Menschen als hochsensibel, das ist ja wirklich nicht nichts.

***

Vor einiger Zeit schrieb ich dies:

Ich bin hochsensibel.
Ich bin nicht schüchtern, nicht introvertiert, nicht zu empfindlich und schon gar nicht „stell ich mich an“. Ich nehme einfach mehr wahr als andere, spüre mehr, sehe und höre mehr. Und ich habe weniger Filter für das alles. Das macht es schwierig für mich, verbraucht Energie und überfordert mich oft. Darum brauche ich viel Ruhe, zieh ich mich zurück und muss immer wieder für eine Zeit alleine sein.
Ich wünschte, ich hätte das schon früher gewußt und kommunizieren können, dann wäre ich vielleicht nicht im Burnout gelandet.

***

(Als Entwurf gespeichert, vergessen und am 21.04.2025 veröffentlicht, weil es zur Chronik gehört)

Kommentar verfassen