31-12-2025 Ein gutes, volles Jahr

Eigentlich wollte ich dieses Mal einen ausführlichen Jahresrückblick schreiben, so richtig für jeden Monat und mit Fotos und so. Auch über die Wochen in Malente und die Therapien wollte ich schreiben, bevor alles aus dem Gedächtnis verschwunden ist. Und überhaupt schreiben, öfter. Die Zeit wäre auch da gewesen, weil ich seit inzwischen 10 Tagen terminfrei habe und nur zuhause bin. Und dann fehlte die Lust, die Energie, die Motivation. Seit dem Sommer war ich (für meine Verhältnisse) durchgängig so aktiv, dass ich mich nur noch nach Ruhe und Nichtstun sehnte – und das hab ich mir dann auch gegönnt. Spät (sehr spät) ins Bett, lange schlafen, lange frühstücken, lesen, rumgammeln, schlafen, essen, gammeln und am nächsten Tag von vorne. Das war echt so nötig. Jetzt ist nur die Frage, wie ich wieder in den normalen Rhythmus finde …

Aber bevor hier nun gar kein Rückblick kommt, kram ich wieder die bekannten Fragen raus und schreib wenigstens ein bißchen was. Für das andere hab ich ja noch Zeit.


15 Fragen für einen persönlichen Jahresrückblick

(Disclaimer: Die Fragen sind teilweise durch die bekannten Fragebögen von Max Frisch und Marcel Proust inspiriert.)

  1. Wofür bist du dankbar?

Für Malente. Dass es dieses Jahr geklappt hat, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, wunderbare Menschen getroffen und unermesslich viel gelernt habe, das ich anwenden kann. Es war einfach perfekt.

Dankbar bin ich auch immer wieder für die anderen Menschen in meinem Umfeld, die mich stärken und stützen und denen ich etwas bedeute (ja, das zu erkennen und anzunehmen hab ich auch dieses Jahr gelernt). Sie sind mein soziales Netz, auf das ich mich verlassen kann.

Außerdem bin ich meiner Therapeutin dankbar, die mich seit 2018 mit unendlich viel Geduld und Herzwärme über alle Berge und durch alle Täler begleitet hat. Auch wenn ich die meiste Arbeit geleistet hab, hat sie mir doch den Raum gegeben, in dem ich denken, formulieren, erkennen, weinen, lachen, wütend sein, lernen und wachsen konnte. Mit ihr zusammen hab ich die Sicherheit gefunden, dass ich ab jetzt ohne sie weiter gehen kann.

  1. Was war in diesem Jahr deine Lieblingsbeschäftigung?

Formulare ausfüllen.
Haha, nein, natürlich nicht. Es musste trotzdem sein für alles mögliche. Unter anderem weil ich ab morgen Rentnerin bin, was sich finanziell leider nicht bemerkbar macht, aber wenigstens bin ich nicht mehr vom Jobcenter abhängig.

  1. Was war dein größter Fehler?

Nicht alles war gut, aber richtig falsch war nichts.

  1. Wann warst du glücklich?

Wenn es schöne Begegnungen mit den Menschen von Frage 1 gab – und wenn ich danach wieder allein war.
Als ich gemerkt habe, wie die Erkenntnisse aus acht Jahren ambulanter Therapie und denen in Malente zu wirken anfingen und ich immer aufrechter, klarer und ruhiger wurde.
Draußen in der Natur.
Als ich mein gedrucktes Gedichtbuch ausgepackt hab.

  1. Warum hast du das nicht öfter gemacht?

Das mit dem Draußen hätte ich wirklich öfter machen sollen, auch wenn der olle Körper „och nö“ sagte. Alles andere war, wie es war und hält an.

  1. Was hat sich verändert?

Alles. Ich.
Igor ist jetzt ein stolzer Assistenzhund.

  1. Worauf bist du stolz?

Auf mich.

  1. Wer waren in diesem Jahr die 3 wichtigsten Menschen für dich?

Die Tochter, Freundin D. und die Therapeutin. Direkt dahinter alle aus Frage 1.

  1. Wissen diese Menschen das?

Ja.

  1. Mit wem hättest du gern mehr Zeit verbracht?

Mit Freundin B. und der Katze. Mit den Therapeut:innen in Malente.

  1. Und mit wem weniger?

Mit Behörden und Formularen. Ich hasse es, das ändert sich nicht.

  1. Was hast du zum ersten Mal gemacht?

Ich war Anfang Februar seit mindestens 20 Jahren das erste Mal wieder auf einer Demo und kurz danach gleich nochmal.
Außerdem hab ich große Männer angebrüllt *ggg*, Sport gut gefunden, mich selbst als schön gesehen und einen Teil meiner Gedichte veröffentlicht drucken lassen.

  1. Magst du dein Leben?

Es gibt noch Entwicklungsmöglichkeiten, aber ja, meistens schon.

  1. Was sind die drei wichtigsten Dinge, die du in diesem Jahr gelernt hast?

Woher meine Wut kommt und dass ich sie selbst regulieren kann. Dass ich nicht mehr hilflos aushalten muss.
Dass Sport gut tun kann.
Dass ich für mich an erster Stelle stehen darf. Ich nehme deshalb niemand anderem etwas weg.

  1. Mit welchem Satz lässt sich dein Jahr zusammenfassen?

Ich darf jetzt ernten, was ich in den Jahren vorher mit harter Arbeit gesät habe.

Kommentare zu „31-12-2025 Ein gutes, volles Jahr“

  1. Avatar von Sofasophia

    💜

    1. Avatar von Ulrike
      Ulrike

      😘

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