Meinen schwarzen Hund Igor hab ich hier ja schon sehr oft erwähnt. Vorgestellt hab ich ihn auch schonmal, sogar mit Foto – und einer Warnung, weil er wirklich richtig hässlich ist.
Sehr lange hat er mich begleitet, mich genervt, gestört, von ganz vielem abgehalten, weil er sich immer wieder so breit und schwer gemacht hat auf mir. Keine Ahnung, wie oft ich ihn vor die Tür gesetzt hab und wie oft er wieder kam, immer ungebeten. Stand vor mir, kläffte mich an, lief mir zwischen die Füße, so dass ich über ihn stolperte und auf den Boden fiel. Dann kam er zwar und versuchte zu trösten, aber er stank einfach nach nassem Fell und altem Fisch und war keine Hilfe. Das einzig Gute an ihm war, dass ich mir meine Depression bildlich vorstellen konnte und Bilder helfen mir ja so gut wie immer.
Irgendwann im Lauf der Therapien hab ich gelernt, mit ihm umzugehen. Ich wurde stärker, ich fing an, Nein zu sagen zu vielem, was mir nicht gut tat – auch zu Igor. Anfangs schickte ich ihn zurück in sein Körbchen, wenn er wieder aufdringlich wurde. Dann schmiss ich ihn wirklich raus und verbarrikadierte meine Tür. Er kam trotzdem wieder. Und so langsam begriff ich, dass er einfach zu mir gehört, dass er immer da sein wird an meiner Seite. Noch eine ganze Weile später verstand ich, dass er mir gar nichts Böses tun will.
Er will mich nicht ersticken, wenn er nachts auf meinem Brustkorb liegt: er wärmt mich. Er will mich nicht zu Fall bringen, wenn er um mich herum wuselt: er will, dass ich stehen bleibe und inne halte, dass ich aufpasse. Er will mich nicht stören und ärgern, wenn er mit seinem Gebell alle meine Gedanken stört: er will, dass ich richtig hinschaue, wo es grade wirklich hakt. Er ist kein Hindernis, sondern ein Mahner und Aufpasser. Er zeigt mir, dass etwas nicht stimmt, wenn ich es noch gar nicht merke. Er weiß, wo der Weg schwierig wird und führt mich durch. Und wenn ich doch gestürzt bin, fällt er mit ins Loch und wartet geduldig, bis ich soweit bin, um raus zu klettern. Er ist mein stetiger und treuer Begleiter geworden.
Jetzt ist die Zeit gekommen, ihn offiziell und ausdrücklich zu meinem Assistenzhund zu befördern und ihm außerdem ein Make-Over zu spendieren, damit er nicht mehr so furchterregend und herzzerbrechend aussieht.
Ich darf also vorstellen: der neue Igor. Ja, er ist schon etwas älter, hat graue Haare und rennt nicht mehr so schnell. Aber damit sind wir uns so ähnlich, dass wir bestens zueinander passen.

(Schon klar, dass das nicht echt mein Hund ist, oder? Aber er entspricht meiner Vorstellung. Und noch dazu erinnert er mich an meine Hündin Josi, die 14 Jahre bei mir war, lange vor der Depression.)

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